Opportunitätskosten richtig bewerten

Viele Betriebsmittel sind auf Grund ihres Preises direkt miteinander vergleichbar. So kann man genau bestimmen wie viel ein Kilogramm Stickstoff in einem Düngemittel kostet. Bei Preisgleichheit hat das Produkt mit anderen Vorteilen die Nase vorn. Das können zum Beispiel die Streueigenschaften sein oder ob die Ware in der Nähe verfügbar ist. Es gibt aber auch Mehrleistungen, die sich nur in einem entgangenen Nutzen (Opportunitätskosten) ausdrücken lassen. Klassisches Beispiel sind Inhibitoren, welche direkt vom Hersteller im Düngemittel mitgeliefert werden. Hätten Sie jetzt etwa an einen fehlenden Korrosionsschutz in Flüssigdüngern gedacht, der Ihre Pflanzenschutzspritze schneller altern lässt als bei einem Flüssigdünger aus Piesteritz? Ein weiterer Hemmstoff, den Sie bei uns in Harnstoff nicht abwählen können ist der Ureaseinhibitor, fertig formuliert ist das Produkt in jedem Korn enthalten.

Warum das so wichtig ist, wird klar, wenn man in den Mikrokosmos des Bodens eintaucht. Aber vorher muss die Ware appliziert werden. So prallt die Granalie von der Schaufel des Düngerstreuers ab und fliegt mit unveränderter Kornhärte, zugegeben chaotisch, auf die Oberfläche der Ackerkrume. Bereits hier gibt es den ersten Unterschied zu nachträglich besprühter, weißer Ware. Mit der Öffnung des Coating einer jeden Granalie durch den Zusatz von Flüssigkeit werden die Düngemittel stärker hygroskopisch als sie ohnehin schon sind. Mit fortschreitender Lagerdauer und Umladeprozessen in den kalten, feuchten Monaten des Winters verliert die Ware an Kornhärte. Den dadurch verursachten Abrieb von Millionen von Düngergranalien an den Streuschaufeln Ihres hochpräzisen Düngerstreuers finden sie dort gewiss. Ihr Streubild ist damit im Tagesverlauf starken Schwankungen unterlegen. Kontrolle muss ohnehin sein, könnte das Argument der Wahl sein, um die unbekannte Herkunft der Ware und die Bedeutung der Kornhärte zu negieren.

Nun aber zum Bodenleben. Das den Harnstoff zu Ammonium umwandelnde Enzym Urease ist im Boden vorhanden und wird von omnipräsenten Pilzen und Bakterien gebildet. Trifft das Düngemittelkorn also auf den Boden, so beginnt die Hydrolyse unmittelbar. Harnstoff wird nicht nur unter kühlen, feuchten Bodenbedingungen, sondern auch unter Verlustbedingungen (trocken/warm/windig) zügig zu Ammonium unter kurzfristigem pH-Wert Anstieg umgewandelt. Genau in diesem kleinen Raum, dem einen Zentimeter um die Granalie, ist das Schlachtfeld um das es sich dreht. Hier steigt der pH-Wert (auf Grund der Hydrolyse) und das Gleichgewicht zwischen Ammonium (NH4+) und gasförmigem Ammoniak (NH3) verlagert sich in Richtung Ammoniak, der Prozess beschleunigt sich mit steigenden Temperaturen. Daher ist die Wirkung eines Ureaseinhibitors ganz wesentlich von seiner gleichmäßigen Verteilung im Düngemittel abhängig, jedes Korn ist entscheidend. Da Ureaseinhibitoren färbend appliziert werden, kann die Verteilung in der Ware einfach kontrolliert werden. Eine Aussage über die korrekte Dosierung pro Mengeneinheit kann auf Grund der Farbintensität jedoch nicht abgeleitet werden.

Für die klassiche Qualitätsgabe gibt es aber noch einen wesentlichen Vorteil. Die kurzzeitig verlängerte Harnstoffphase nach der Applikation von PIAGRAN® pro führt zu einer hervorragenden Löslichkeit des Düngers in Wasser (> 1 kg/l) und damit zu einer besseren Verteilung im Wurzelraum, was für die Qualitätsbildung im Weizen förderlich ist. Interessant ist auch das Produkt PIAMON® 33-S, welches neben Harnstoff auch Ammoniumsulfat (Löslichkeit in Wasser ca. 700 g/l) als Schwefelkomponente enthält. Beide Nährstoffe liegen daher in einer sehr hoch wasserlöslichen Form vor. Auf Grund des versauernden Ammoniumsulfates ist ein Ureaseinhibitor im PIAMON®33-S nicht zielführend. Wichtig ist vielmehr die Erkenntnis, dass mit zusätzlich angebotenem Schwefel, die Proteinqualität des Weizens steigt. Schwefelquellen auf Basis von Calciumsulfat (< 3 g/l) können da nicht mithalten. Magnesiumsulfat (300 g/l) eignet sich wiederum sehr gut als schnell wirksames Schwefel-Düngemittel, wobei hier zusätzlich von einer Blattapplikation ausgegangen werden kann.

Die Ableitung der Erkenntnisse zeigt dem geneigten Leser also, dass nicht nur der Preis, sondern auch die dargebotene Form der Düngemittel entscheidend für den Erfolg im Ackerbau sind. Welcher Teil davon als entgangener Nutzen gewertet wird, ist schwer zu entscheiden. Für den Einen zählt das messbare Soll, also die Rechnung für Betriebsmittel, mehr als das subjektive Haben für den Anderen, welches nach Abrechnung der Ernte auf dem Konto nicht als zusätzlicher Gewinn ausgewiesen wird. Einem Konsumenten, der sich durch offensichtliche, fachliche Fehler einen Preisvorteil erkaufen will und alle guten Argumente ausblendet, ist langfristig nicht zu retten.